Fleischeslust im Gemüsebeet

Sex und Essen – spätestens, seit ein dürrer Mann im privaten Nachmittagsfernsehen seiner Freundin Spaghetti Bolognese auf seinem Bauch serviert hat, sind diese zwei Ur-Beschäftigungen des Menschen untrennbar miteinander verwoben. Ernährungstrends wirken sich auf unsere Sexualität aus, versprechen gar größere Erfüllung beim alten Rein-Raus-Spiel. Raffiniert gekochte Gerichte regen unsere Geschmacksknospen und ebenso die Knospen der Geliebten an und neue Trends greifen überall um sich. In meiner kleinen, aber feinen Redaktion ist es längst Brauch geworden, das Mittagessen von den nackten Oberkörpern meiner Praktikanten verschiedensten Geschlechts zu schnabulieren. Und was soll man sagen? Es schmeckt halt! Auch Literatur und Wissenschaft sind auf diese Zusammenhänge aufmerksam geworden. Besonders der Veganismus als der heißeste Scheiß in Sachen Gaumenkitzler scheint im Zentrum der aktuellen Schreiberei zu stehen. „Fleischpeitsche?! Ich gebe deiner Mutter vegan!“, lautet der Titel des neusten Bestsellers des renommierten Autors, Kochs und Heiratsschwindlers Raimund Lauchmann. Ich sprach mit ihm über Veganismus, Sex, das Wetter und andere Nichtigkeiten.

Herr Lauchmann, na, steht der Porree senkrecht?

Was ist das denn für eine bescheuerte Frage? Hat man ihren Blumenkohl zu heiß gekocht? Als sei ich plötzlich lediglich aus pflanzlichem Material, nur, weil ich eine vegane Ernährung in Zusammenhang mit einem besseren Sexleben propagiere.

Ihr neues Buch beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Veganismus und Sex. Die steile These dazu lautet: Wer dem Fleisch in der Küche entsagt, der wird dahingehend im Schlafzimmer wahre Wunder erleben. Wie begründen Sie das?

Ich dippe für mein Leben gern meinen Gemüsestick in Kräutersauce, wenn Sie verstehen, was ich meine. Und Frauen lieben es. Doch das war nicht immer so. Früher, als ich noch eine richtige deutsche Kartoffel war, habe ich zeitweise Bratensauce als Mundspülung und Käsewurst als Zahnbürste verwendet. Ich wurde müde, ausgelaugt, abgeschlafft. Das viele Fett und die tierischen Produkte zogen mich respektive mein Glied runter, Marke „Mit-Sand-gefüllter-Luftballon“. Es musste sich etwas ändern und anstatt Sport zu machen und zum Arzt zu gehen, habe ich einfach mal von heute auf morgen sämtliche tierischen Produkte aus meiner Küche verbannt. Vom Balkon geworfen habe ich sie, auf die Obdachlosen. Das war ein heilloses Chaos, sag ich Ihnen. Aber meinem Lümmel geht es seitdem wieder gut.

Ein viel zitierter Satz ihres neuen Werkes ist eine Hommage an Nietzsche und lautet: „Wenn du zum Weibe gehst, dann mit den Staudensellerie mit!“ Sind Wurzelgemüse und Quinoa vermeintlich das neue Zuckerbrot & Peitsche?

Es ist ja wissenschaftlich erwiesen, dass einige Lebensmittel Stimulanzien enthalten, welche die Liebessäfte in Wallung bringen. Darüber sollte man Bescheid wissen, denn die moderne Gesellschaft hat einfach keinen Platz mehr für Menschen, die das grobe und offensive Vorgehen einer Peitsche bevorzugen. Viel mehr führt der Weg in das Höschen einer Frau immer direkt durch den Magen. Das klingt jetzt naheliegender und zugleich ekliger, als es eigentlich impliziert war, doch sie verstehen sicher, was ich meine. Statt Zwang und Unterwerfung fordere ich Umgarnung und Grünkohl!

Apropos Grünkohl: Einschlägige Magazine berichteten, dass sie unter dem Namen Helmut Grünkohl Deutschlands erster veganer Rapper werden wollen?

Was soll ich sagen? Irgendwie muss man das junge Gemüse ja erreichen. Anfang 2017 erscheint mein erstes Album „Von der Metzgerei zum Biogemüsehändler zurück“. Es enthält jetzt schon ein paar moderne Klassiker wie „Vincent Vegan“, „Tofutt“ und „Beethovens Neunte“. Bei der Produktion haben wir übrigens darauf geachtet, nur mit analogen, organischen Instrumenten zu arbeiten, für deren Herstellung keine Tiere verletzt oder aus ihrem natürlichen Habitat vertrieben wurden. Es geht auch darum, einmal stolz für den Veganismus die Flagge zu zeigen und eben auch Grenzen abzustecken. Wie ich es selbst rappe: „Du Fleischesser-Bitch bist dumm/ Nach Schnitten mit dem Messer liegst du in roter Sauce – Basilikum/“ (lacht)

Was sagen Sie zum Wetter?

Ich mag das Zusammenspiel aus Kumuluswolken und leichtem Nieselregen. Da bin ich exzentrisch. Ich stelle mich dann auch gerne in das kalte Nass, damit niemand sieht, wie ich darüber weine, dass ich eigentlich ein unsagbarer Dummkopf bin. Verraten Sie das bitte niemandem, aber manchmal, wenn ich schlecht drauf bin, ziehe ich mir Lady Gagas Fleischdress an und lutsche im Badezimmer heimlich an Mettenden.

Vielen Dank, Herr Lauchmann, dass sie hier waren. Danke auch, dass sie wieder gehen. Ihre letzten Worte?

Kauft mein Buch, ich brauche Geld, um mir lebenswichtige Nährstoffersatzprodukte leisten zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s