Wind of Stillstand

Es gibt auf der Welt nur drei Wahrheiten, auf die sich alle Menschen einigen können: „Gelber Schnee schmeckt PfuiPfui“, „Sechs Halbe sind ein Schnitzel“ und „Veränderung ist Oberaffentittengeil“. Eine Liste, die einen Fehler aufweist: Veränderung ist nämlich nicht Oberaffentittengeil, nicht einmal Mitteläffchenhängebusenmäßig. Veränderung ist Unterprimatenhühnerbrustkacke!

Meine Mutter sagte einmal zu mir, dass ich wohl heute noch in meinem Kinderbett schlafen würde, wenn sie es mir damals nicht weggenommen hätte. Ich erlebte also wie unzählige andere Menschen bereits im Kindesalter das Trauma der Veränderung. Gut, bei anderen haben sich die Eltern scheiden lassen und der Hund ist gestorben, oder umgekehrt, aber das Bett hatte nun mal eine sehr lässige Rennautooptik.

Seit diesem Tag stehe ich mit der Veränderung auf Kriegsfuß. Bis zu einem gewissen Lebensabschnitt hat man keine Chance, sich der Veränderung des eigenen Körpers zu entziehen. Auch wenn ich es jahrelang durch das Tragen einer Bleiweste verhindern wollte, wuchs ich dennoch und Mädchen wechselten von doof zu interessant zu wieder doof zu interessant.

Ab einem gewissen Punkt ist diese ganze Pubertätsgeschichte aber vorbei. Bis auf gelegentliche Gewichtsschwankungen hat man es sich in seiner menschlichen Hülle sowie sexuellen Orientierung bequem gemacht und somit gibt es keinen Grund mehr, irgendwas zu ändern. Vorausgesetzt, alle höheren Mächte – Vermieter, Arbeitgeber, Rundfunkgebühr – halten brav die Füße still.

Immerhin ist die Konstanz meist etwas Gutes. Ich bin zufrieden damit, dass die Erde eine gleichbleibende Beschaffenheit hat und nicht ständig zwischen Kugel und Oktaeder herum transformiert. Das macht das Leben planbar. Nicht ohne Grund ist beim Klassentreffen der Ausruf „Du hast dich aber verändert“ oftmals zu ergänzen mit „aber nicht zum Guten, du Kackvogel!“

Dennoch wollen uns Gebildete aller Länder vom Vorteil der Veränderung überzeugen. „Die einzig Konstante im Universum ist die Veränderung!“, sagte Heraklit einmal. Aber Heraklit erkrankte auch an Wassersucht und musste sich selbst behandeln, weil kein Schwein von Arzt sein Kauderwelsch verstehen konnte. Kein Wunder, dass er laut Mythos am Ende alleine unter einem Misthaufen starb.

Ein weiterer Gelehrter singt: „The Wind of change blows straight into the face of time.“ Aber im selben Lied, das übrigens zurecht nur noch gespielt wird, um Alkoholiker mit einer Träne im Knopfloch morgens um 11 Uhr aus der Kneipe zu scheuchen, möchte der gute Klaus Meine uns glaubhaft versichern, dass seine Gitarre etwas zu erzählen hätte. Das ganze in Kombination mit seiner Herkunft Hannover – eine schwierige Quellenlage!

Selbst die Politik zelebriert die Konstanz und den Stillstand. Immerhin werden sogar industrialisierte Länder in Mitteleuropa nach der Maxime „Bitte nichts anfassen, nichts verschieben“ mehr oder minder erfolgreich herunter regiert. Die Wahlergebnisse beweisen: Wer nichts macht, macht eben auch nichts falsch! Diesem Mantra folgend werde ich mir in den nächsten Tagen wieder einen schicken Rennwagen zulegen – selbstverständlich aus dem Bettenhaus.

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